
Der Neapolitaner interessiert sich nicht für die Wahrheit. Ebensowenig interessiert ihn die Nützlichkeit. Neapel gründet auf dem, was man empfindet. (Jorge Alvis)
Neapel, das wunderbare, obszöne, erfindungsreiche, großzügige, verzweifelte, fatalistische Neapel, die Hauptstadt einer Welt, wo, wie man sagt, Europa, Afrika und der Orient aufeinanderstoßen. Hier herrscht eine eigene Mentalität: der Neapolitaner interessiert sich nicht für die Wahrheit, denn jede Wahrheit ist im Grunde häßlich. Ebensowenig interessiert ihn die Nützlichkeit. Neapel gründet auf dem, was man empfindet. In Neapel bestimmt die Empfindlichkeit.
Der Film "Roter Mond über Neapel" will ein Bild dieser ausgefallensten aller italienischen Städte geben und tut das auch mit Hilfe der neapolitanischen Musik. Nirgends auf der Welt ist der Mond öfter besungen worden als in Neapel. Doch nicht nur den Mond, sondern auch seine Stadt liebt der Neapolitaner zu besingen; denn wie kaum ein anderer Italiener fühlt er sich mit ihr verbunden. Er tut es aber heute mit einem gewissen Unbehagen. Denn auch Neapel, die schöne Stadt am Golf, hat ein neues Gesicht bekommen. Und mehr denn je empfindet man die schöne Melancholie, die in vielen neapolitanischen Liedern zum Ausdruck kommt, als eine häßliche Schwermut.
"Dieses Porträt von Neapel gleicht einem Gemälde von Arcimboldo, der Gesichter aus einem einzigen Element zusammensetzte: Gemüse oder Fische. Hier sind es einfach Klänge, mit denen diese Stadt gemalt wird, durch das Gewirr von Tönen aus der gesprochenen Sprache, im ständigen Stimmengewirr einer Welt, die den bedrohlichen Zuckungen des Vesuvs ausgesetzt ist. Kaum Kommentare in dieser Beschwörung, die mit den Masken des Harlekin spielt, sondern gesammelte oder mit schmackhafter volkstümlich-philosophischer Frechheit vorgetragene Worte."
Bernard Mérigaud, Télérama, Paris, 10. Februar 1999
Der Film ist für 7 € erhältlich (digitaler Streaming-Zugang) - in der italienischen und der englischen Fassung. Nach dem Kauf erhalten Sie sofort Zugang zum Film.
ITALIEN, 57', DV Cam, Farbe
Produktion: Brintrup / ARTE / ZDF / RAI